Studie: Schüler vs Zeitgeschichte

© Igor Tarasov - Fotolia.com

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Geschichte, das sind vier langweilige Stunden in der Woche in der Schule, bzw. etwas vor langer Zeit, das immer ohne einen passiert. So beschrieb die Band Freundeskreis das Problem mit dem Blick zurück und forderte, das Ohr auf die Schiene der Geschichte zu legen. Diesen Rat scheinen sich viele Schüler damals wie heute nicht zu Herzen genommen haben. Die Freie Universität Berlin hat mit ihrem Forschungsverbund SED-Staat zeitgeschichtliche Kenntnisse von insgesamt 4627 Schülern der Schulklassen 8 bis 10 untersucht. Die jeweilige Schulform hat dabei keine Rolle gespielt. Durchgeführt wurde die Befragung in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Die Ergebnisse sind teilweise erschreckend. Vielen Schülern fällt es zum Beispiel schwer, eine Trennlinie zwischen einer Demokratie und einer Diktatur zu ziehen. Insgesamt 36 Prozent der Kinder konnten den Unterschied zwischen den politischen Systemen BRD, DDR und Nationalsozialismus nicht benennen. Bei Gymnasiasten lag die Prozentzahl bei 16, bei Hauptschülern sogar bei mehr als 50 Prozent. Die DDR wurde von fast 30 Prozent der Schüler nicht als Diktatur eingestuft, im Osten des Landes lag der Wert bei 36 Prozent. Zu Deutschland nach 1945 hatten die meisten Schüler ebenfalls eine wirre Meinung. Rund 40 Prozent gaben an, dass Deutschland vor der Wiedervereinigung keine Demokratie gewesen ist, und 39 Prozent der Schüler schätzen Deutschland nach 1989 ebenfalls nicht als Demokratie ein. Selbst bei der Bewertung der NS-Zeit gibt es nur eine Zweidrittelmehrheit, die diese Jahre als eine Diktatur einstuft.

Das Fazit aus dieser peinlichen und gleichsam erschreckenden Studie ist eindeutig: Schüler müssen mehr von der aktuelleren Zeitgeschichte hören. Der Geschichtsunterricht darf sich nicht nur mit mittelalterlichen Themen beschäftigen, gerade die jüngere Zeitgeschichte ist ein wichtiges Unterrichtsfach. Auch der Besuch von Gedenkstätten kann helfen, den Schülern die Geschichte des Landes, in dem sie wohnen, näher zu bringen. Klar ist, dass Zeiten wie der Nationalsozialismus nicht vergessen werden dürfen oder, was noch gefährlicher anmutet, in der Wahrnehmung verharmlost werden.

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