Das Diplom verabschiedet sich
Für tausende Studenten, die in einem Diplom- oder Magister-Studiengang eingeschrieben sind, wird es knapp: Die Umstellung von Diplom auf das internationale Bachelor- und Mastersystem ist beinah abgeschlossen, viele alte Studiengänge laufen aus und Studenten geraten zunehmend unter Druck. Für diese Studenten kursiert der Spitzname „Dinosaurier“ durch Medien und Hochschulen: Doch im Gegensatz zu den echten Dinos, die von einem Meteoriten auf einen Schlag vernichtet wurden, konnten sich die Dino-Studenten seit der Unterzeichnung des Bologna-Vertrags über die Hochschulreform im Jahr 1999 auf ihren baldigen Abschied einstellen. Diplom, Foto: finemsequi_flickr
Genauso ist es kürzlich an der Universität Köln passiert: 32 Studenten, die in alten Studiengängen eingeschrieben waren, wurden zum jetzigen Wintersemester exmatrikuliert. Die Uni verweist darauf, dass die aussortierten Studenten meist seit 15 oder mehr Semestern eingeschrieben waren und noch keine Zwischenprüfung abgelegt haben – wie ernst es ihnen also mit dem Studium ist, bleibt fraglich. Die Vertretung der Studenten in Köln, der Asta, läutet allerdings Alarm und versucht im Netz mit einem frisch gegründeten Blog gegen Zwangsexmatrikulationen zu mobilisieren. Viele Ex-Studenten der Kölner Uni klagen derzeit, weil sie nicht als Härtefall anerkannt werden und zurück an ihre Uni wollen. Wenn das erste Urteil zu Gunsten der exmatrikulierten Studierenden gefällt wird, könnte sich die Situation schnell entspannen.
Bald könnte aber auch eine Welle des Protests durch ganz Deutschland gehen: Schließlich sind nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz noch knapp die Hälfte aller deutschen Studierenden in Diplom- oder Magister-Studiengängen eingeschrieben. Die Statistik sieht allerdings schlimmer aus, als sie wirklich ist: Viele der mitgezählten Studierenden streben ein Staatsexamen an oder stehen ohnehin kurz vor dem Abschluss, sind also nicht vom Auslaufen der alten Studiengänge bedroht.
Im Gegensatz zu anderen Bundesländern haben Hamburg, Niedersachen und Berlin die Nase vorn, was die Umstellung auf Bachelor und Master angeht. So sind etwa in Berlin von den 852 existierenden Studiengängen nur noch 26 Diplom- oder Magister-Studiengänge. Auch hier wird auf die Tube gedrückt: Für die 989 Studierenden in Magister- und die 7.490 in Diplom-Studiengängen an der Technischen Universität Berlin war zum diesjährigen Wintersemester zum ersten Mal der Wechsel in einen vergleichbaren Bachelor- oder Master-Studiengang möglich. Noch ist der Wechsel freiwillig – der Druck auf die Studierende wird aber im Laufe der kommenden Jahre erheblich steigen.